Gestern war Johannistag und das Johanniskraut überwuchert gerade meinen Garten, daher muss es dringend in seine Schranken verwiesen werden. Doch einfach in den Grünschnitt möchte ich das nützliche Heilkraut nicht werfen. Nachdem alle Textilien gefärbt sind, der Ölauszug angesetzt ist und auch eine Seife gesiedet wurde, bleibt immer noch reichlich übrig.
Tatsächlich ist heute der bislang heißesten Tag, der in Deutschland jemals gemessen wurde! In der Bruthitze der Mittagsstunden habe ich das Johanniskraut großzügig geerntet. Daraus werde ich jetzt Kräuterbündel machen, die ich dann für den Winter aufbewahre. Die Sonnenpflanze wird dann in den kalten, dunklen Nächten verräuchert, um das Licht und die Wärme in die von Schwermut geprägte Zeit zu bringen.
Die Johanniskrautstängel ungefähr gleich abschneiden und für ein paar Stunden in der Sonne trocknen lassen. Das Vortrocknen ist wichtig, weil sonst die Feuchtigkeit die eng gebunden Büschel schnell faulen lässt!
Die angetrockneten Johanniskrautstängel fest mit einem dünnen Jutefaden umwickeln. Dafür habe ich die Fäden aus einem alten Kaffeesack gezogen und verwendet.
Die Bündel an einem dunklen, luftigen Ort kopfüber zum Trocknen aufhängen.
Wenn sie dann ganz trocken sind abhängen und sorgfältig aufbewahren.
Dort warten die Johanniskrautbündel bis zu den Raunächten auf ihren Einsatz. Der aromatische Rauch weckt die Erinnerungen an den Sommer und wirkt stimmungsaufhellend.
Vor dem Räuchern immer zuerst die Fenster öffnen!
Dann wird das Johanniskraut-Bündel angezündet und nach ein paar Sekunden wieder ausgeblasen.
Mit dem glimmenden Bündel werden jetzt die Räume ausgeräuchert.
Fenster öffnen, Bündelspitze anzünden, Flamme ausblasen, glimmen lassen.
Den Rauch vorsichtig im Raum verteilen.
Zum Schluss das glimmende Bündel ausdrücken oder in den Kamin zum Feuer geben.


Inés Hermann, 1961 auf der Schwäbischen Alb geboren und der Heimat treu geblieben, Ehefrau, Mutter von 5 Söhnen, Großmutter von 4 Enkelkindern, Modeverweigerin,