Diese Rezepte habe ich dem beliebten Buch von Isabella Beeton, „Mrs. Beeton’s Household Management“ von 1861, entnommen.
Sally Lunn Buns und waren fester Bestandteil der Frühstücks- und Teerunden der georgianischen Epoche. Mrs. Beeton verfeinerte die Teekuchen mit einem Hauch Zitrone und empfiehlt dazu geschlagene Orangenbutter und Mädesüß-Gelee. Im viktorianischen England genoss Mädesüß als „Queen of Meadow“ einen hohen Stellenwert und wurde als aromatisches Küchenkraut sehr geschätzt.
Die Erfinderin dieses Gebäcks war die Französin Solange Luyon. Sie wurde als protestantische Hugenottin in ihrer Heimat verfolgt und floh nach England. In Bath fand sie Arbeit in einer Bäckere in der Lilliput Alley. Mit der Herstellung kleiner, runder Brötchen, die der französischen Brioche ähneln bestritt sie ihren Lebensunterhalt. Schon bald waren „Sollies“ Kuchen, die sie als „Gassenausruferin“ verkaufte, in aller Munde. Bath und das nahegelegene Bristol waren beliebte Reiseziele und die Nachricht von dem köstlichen Gebäck sprach sich herum. Die Einheimischen standen schon zum Frühstück Schlange, um einen von den begehrten, kleinen Kuchen zu ergattern. Das Geschäft florierte, zumal auch sie auch die feinen Teegesellschaften der Kurgäste belieferte. Der anglisierte „Sally-Lunn-Bun“ wurde in ganz England äußerst beliebt.
Die junge Jane Austen hielt sich regelmäßig in Bath auf und schreibt in einem schelmischen Brief darüber, wie ihr „Sally Lunns Buns“ den Magen verderben, weil sie nicht genug davon bekommen konnte.
Die Mengenangaben habe ich in das heutige System übertragen. Das im Originalrezept genannte „unraffinierte Allzweckmehl King Arthur“ entspricht Weizenmehl Type 550.
Diese Zutaten werden für die Teekuchen benötigt:
- 200 g Vollmilch
- 3 große Eier für den Teig
- 100 g Butter
- 20 g Zitronenschalen- oder Orangenschalenpüree (von Bio-Früchten)
- 450 g Weizenmehl Type 550
- 50 g Kristallzucker
- 10 g Instanthefe (Trockenhefe)
- 10 g feines Salz
- 1 Ei für die Glasur
Zubereitung
Die Milch in einem kleinen Topf auf ungefähr 60 Grad erhitzen und den Zucker darin auflösen sowie die Butter in der warmen Milch schmelzen. Beiseitestellen und auf Raumtemperatur abkühlen lassen.
Zitronen-bzw. Orangen heiß waschen, trocknen und die Schalen abreiben.
Eier in einer mittelgroßen Schüssel mit dem Schneebesen glattrühren. Milch und Zitronenschale hinzufügen. Selbstverständlich kann auch ein elektrisches Rührgerät verwendet werden!
Mehl und die anderen trockenen Zutaten abwiegen und in die Rührschüssel geben und gut untermengen – aber nicht zu lange rühren.
Flüssigkeiten dazugeben und sanft rühren, bis ein weicher Teig entsteht.
Dann für mehrere Minuten gut kneten.
Den Teig in eine gefettete Schüssel geben und abdecken.
Den Teig an einem warmen Ort 1 Stunde gehen lassen, bis sich das Volumen verdoppelt hat.
Den Teig auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche ausrollen und je nach gewünschter Brötchengröße
portionieren.
Die Teigportionen zu 6 festen, glatten Kugeln formen und in die gefetteten Backformen geben.
Abdecken und weitere 45–60 Minuten gehen lassen.
Den Backofen auf 200 °C Ober/Unterhitze (400 °F) vorheizen.
Das Ei verquirlen und die Brötchen damit bestreichen.
Die Brötchen 15 Minuten backen und darauf achten, dass sie nicht zu dunkel werden.
Kurz abkühlen lassen, dann sofort servieren.
Wie Brioches werden auch Sally Lunns Bunns möglichst warm gegessen. Dafür werden sie aufgeschnitten und großzügig mit Butter sowie Marmelade bestrichen.
Für dieses Mädesüß-Orangen-Gelee werden folgende Zutaten benötigt:
- 3 bis 5 Dolden Mädesüßblüten
- 0,75 Liter Orangensaft
- 250 g 3:1 Gelierzucker
Zubereitung:
Mädesüßblüten von eventuellen Insekten befreien.
Orangen auspressen und die Mädesüßblüten damit übergießen.
Den Sud zugedeckt über Nacht ziehen lassen.
Dann den Orangensaft mit ein feinmaschiges Sieb filtern.
Optional von einer Orange etwas Schale schälen und sehr fein schneiden.
Den Gelierzucker und die fein geschnittene Orangenschale zugeben.
Nach Vorschrift aufkochen lassen und heiß in Gläser füllen.

Inés Hermann, 1961 auf der Schwäbischen Alb geboren und der Heimat treu geblieben, Ehefrau, Mutter von 5 Söhnen, Großmutter von 4 Enkelkindern, Modeverweigerin,