Seit Beginn der 2000er Jahre filze ich historische Hüte, weil es solche nicht zu kaufen gab. Als Filzerin gehört die Seife zu meinem Handwerkszeug. Da gute, handgesiedete Pflanzenseifen schwer zu bekommen waren und zudem sehr kostspielig sind, beschloss ich mich mit der Herstellung von Naturseife zu befassen.
Sehr hilfreich waren für mich antike Bücher und Zeitschriften über Seifenherstellung, so dass ich einen Einblick in den Ablauf des Herstellungsvorganges bekommen konnte. Durch einen glücklichen Umstand fielen mir alte Aufzeichnungen der Seifen- u. Seifenpulverfabrik Gnann aus Bopfingen in die Hände. Die handschriftlichen Rezepte von 1939 waren voller Zutaten, die mir bis dahin unbekannt waren. Einige wie Kolophonium, Schwefel oder Benzoe habe ich nach einigen Versuchen in meine Rezepte aufgenommen. Jedoch blieb mir der Sinn von anderen Ingredienzien lange unklar. So zum Beispiel Sebor – erst nach mehrmaligem Lesen konnte ich herausfinden, dass es sich um Sebum, also Talg handelt.
Die Seifensieder-Zeitung, das offizielle Organ des Vereins deutscher Seifenfabrikaten von 1921, enthielt ebenfalls einige wichtige Erklärungen zu den damals verwendeten Rohstoffen. Doch Inhaltsstoffe wie Cereps oder Neosapin sind mir weiterhin fremd. Andere Zutaten wie zum Beispiel Borax werden heute als gesundheitsschädlich eingestuft und sind gar nicht mehr frei erhältlich.
Einen großen Wissensschatz birgt Deites Handbuch der Seifenfabrikation – herausgegeben von Dr. W. Schrauth: Hausseifen, Textilseifen und Seifenpulver. 4. Auflage Verlag Julius Springer 1917. In diesem Buch konnte ich unter anderem brauchbare Hinweise zum Sieden einer Sattelseife finden.
In Band 15 des sehr dekorativen „Pierer’s Universal-Lexikon“, von 1862, werden der Seifenherstellung mehrere Seiten gewidmet. Bemerkenswert war der Satz „Eine gute Seife muss sich im Wasser gänzlich auflösen, und dabei weder ein sichtbares Ohl fahren lassen, noch einen Bodensatz zeigen; an der Luft nicht feucht werden und zerfließen, nicht scharf und ätzend sein, und keinen Salzausschlag zeigen; sie muss gut schäumen und darf durch zu langes Liegen nicht zu viel an Gewicht verlieren.“
Auf diesen theoretischen Grundlagen habe ich mich nach langer Einarbeitungszeit an die praktische Umsetzung gewagt. Die Praxis war verblüffend einfach und das Ergebnis mehr als zufriedenstellend.
Seit 2005 siede ich meine Seifen selbst und kann so ihre Zusammensetzung meinen Bedürfnissen anpassen. Schnell etablierten sich die hausgemachten Seifen in unserem Alltag als Reinigungsmittel und Kosmetikum.
Um mein Wissen weiterzugeben, gebe ich seit 2006 Seifensiede-Kurse, vor allem an Volkshochschulen, für Vereine und Verbände. Begleitend zu den Kursen habe ich mehrere Bücher mit Basiswissen und vielen Rezepten zusammengestellt. Diese sind im Waldfaun-Verlag und im Freya-Verlag erschienen.
In den ersten Jahren siedete ich ausschließlich feste Seifenstücke auf Basis einer Natronlauge (Natriumhydroxid). Später widmete ich mich der Herstellung von Schmierseifen auf Basis einer Kalilauge (Kaliumhydroxid). Bei der Herstellung der Seife mit Kaliumhydroxid entsteht eine weiche, pastöse Seife. Diese löst sich leichter in Wasser auf und ich konnte das Einsatzspektrum der selbst gesiedeten Seifen erheblich erweitern. Weiche Rasierseifen, Shampoopasten, Duschcremes, Putzseifen oder flüssige Handwaschseifen sind in der Handhabung praktisch und entwickeln viel pflegenden Schaum.
Für die Entwicklung des Siedeverfahrens standen mir auch hier wieder historische Quellen zur Verfügung. Diese waren meine Grundlage, um Schmierseifen in Heimarbeit herzustellen. Der Arbeitsablauf ist dem der Herstellung mit festen Seifen ähnlich, dennoch gibt es einige Unterschiede, die ich erst praxistauglich ausarbeiten musste, bevor ich mein Wissen in meinem Buch „Grüne Seifen“ weitergeben konnte.
Für das Sieden von weichen Seifen mit Kaliumhydroxid sind keine Erfahrungen oder Grundkenntnisse in der Seifenherstellung notwendig. Die Rezepte und Anleitungen sind auch in meinem Buch „Naturseifen selbst gemacht“ so beschrieben, dass sie auch für Anfänger geeignet sind.





Inés Hermann, 1961 auf der Schwäbischen Alb geboren und der Heimat treu geblieben, Ehefrau, Mutter von 5 Söhnen, Großmutter von 4 Enkelkindern, Modeverweigerin,