In vielen Kulturen ist die Handstickerei ein traditionelles Handwerk, das seit Jahrhunderten in verschiedenen Techniken gearbeitet wird. In den vergangenen Jahren bekam sticken ein altmodisches Image und wurde immer weniger praktiziert. Doch im Zuge der Slow-Fashion-Bewegung wird wieder Wert auf nachhaltige, handgearbeitete Kleidung gelegt und damit rückte auch die Handstickerei wieder in den Vordergrund. 

Ich habe zahlreiche wunderbare, antike Stickarbeiten in Second-Hand-Kaufhäusern, Hausräumungen oder auf Flohmärkten gefunden, die einstmals mit reichlich Muse und Handwerkskunst von fleißigen Frauen gearbeitet wurden. Diese antike Fadenkunst verarbeite ich in vielen Nähprojekten und so entstehen individuelle Kleidungsstücke und einzigartige Wohnassessors.

Ich besitze einige antike Schrankborten und Tücher, die mit Sprüchen, Verhaltensregeln und Lebensweisheiten bestickt wurden. Diese waren meist in Reime gefasst und sollten im Alltagsleben beherzigt werden. Einige der Sprüche sollten die Hausfrauen aufmuntern, um ihren doch recht harten Alltag zu meistern.

Ornamentreiche Vorlagen gab es reichlich in Handarbeitsbüchern und Frauenzeitschriften. Die Stickereien hatten immer sehr dekorativen Charakter und spiegelten Geschick und Fleiß der Frauen wider.

Ich möchte diese Schätze der Fadenkunst, an denen so manche Frau lange gearbeitet hat, ein neues Leben schenken. Am Saum dieses Rockes habe ich mehrere Lagen antiker Schrankborten verarbeitet. Die Borten waren schon sehr verschlissen und ausgewaschen. Doch sie verleihen meinem Rock und und dem Schürzenkleid einen besonderen Charme.

Diese handgestickten Spruchbänder habe ich mit antiker Bettwäsche und einer kleinen Tischdecke zu einer Gardine kombiniert.

Die durch die Jahre entstandenen Unvollkommenheiten stören mich nicht, denn sie erzählen Geschichten aus der Vergangenheit. Ich stelle mir gerne vor, dass die Stickerin erfreut wäre, wenn sie sehen könnte, wie zauberhaft ihre Arbeit an meinem Kellerfenster präsentiert wird.

Anstelle von Schrankfolie aus Plastik lege ich meine Küchenschränke mit Tüchern aus, an denen Schrankborten angenäht sind.

Diese Spruchbänder zieren den alten Bauernschrank im Keller, in dem wir unsere unsere Vorräte von Selbstgemachten lagern.

Früher waren die Wäschestücke für die Aussteuer mit solchen Bändern gekennzeichnet.

Die sorgfältig hergestellten Textilien wurden gebündelt und dann für den zukünftigen Haushalt in der Aussteuertruhe verwahrt.