„Marie Schandri’s berühmtes Regenburger Kochbuch mit 1932 Original-Kochrezepte auf Grund vierzigjähriger Erfahrung zunächst für die bürgerliche Küche gänzlich umgearbeitet von Auguste Eber geb. Coppenrath. Siebenunddreißigste einzig rechtmäßige, illustrierte Auflage. Wohlfeile Ausgabe Regensburg 1898, Verlag Alfred Coppenrath.“ Das steht auf dem inneren Titelblatt meines Buches, das offensichtlich sehr gerne und über mehrere Generationen benutzt wurde. Davon zeugen zahlreiche handschriftliche Notizen und mehrere alte Kalenderblätter aus weit zurückliegenden Jahrzehnten.
Die Autorin Margaretha Marie Schandri wurde 1800 in Luhe geboren und verstarb 1868 in Regensburg. Das erstmals 1866 verlegte „Regensburger Kochbuch“ galt als eines der bekanntesten Kochbücher im süddeutschen Raum. Schon in den ersten drei Jahren wurden 75.000 Stück verkauft und es folgten weitere 99 Auflagen. Ende des 19. Jahrhunderts war es das „billigste, reichhaltigste und zuverlässigste Kochbuch Süddeutschlands“.
Im Jahr 1820 zog Marie Schandri nach Regensburg und arbeitete dort im Gasthaus „Zum Goldenen Kreuz“. Dort war sie zunächst Küchenhilfe und stieg schließlich bis zur Chefköchin auf.
Das Gasthaus war als noble Herberge europaweit bekannt und zog prominente Gäste an. Nach einem überlieferten Fremdenbuch zählten unter anderem der bayerische König Ludwig I., Kaiserin Alexandra von Rußland und Prinz Gustav von Schweden. Auch viele politische Veranstaltungen fanden dort statt, wie zum Beispiel die letzte Ministerkonferenz des preußischen Kabinetts am 21. Juli 1866 unter dem Vorsitz von König Wilhelm I., in Begleitung von Ministerpräsident Otto von Bismarck sowie weiteren hohen preußischen Militärs und Beamten.
In dieser Funktion gehörte es zu ihren Aufgaben, für dieses Publikum zu kochen und sie zählte zu den besten Köchinnen ihrer Zeit. Ihr Wissen hielt sie in einem Kochbuch fest, das erstmals 1866 erschien.
Auch wenn ihre Kulinarik dem entsprach, was aus heutiger Sicht den Maßstäben der Spitzenküche entspricht, lag ihr die bürgerliche Küche am Herzen, was sich in ihren zahlreichen Rezepten wiederspiegelt. Daneben finden sich in ihrem Kochbuch auch nützliche Ratschläge zum Thema Hygiene, wie man sich beim Kochen gut organisiert und zum nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln.
Sehr beeindruckt war ich über die Vielzahl der Rezepte, die sich mit der Weiterverarbeitung von altem Brot und Backwaren befassen. Das Buch enthält 7 verschiedene Rezepte für Brottorten, die aus altem Brot feines Gebäck zaubern. Altbackene Semmeln werden als schmackhafte Suppeneinlage zu Goldwürfel verarbeitet oder zu süßen Brotkuchen. Marie Schandri’s Kochbuch bietet viele weitere nützliche Rezepte an, die der Lebensmittelverschwendung entgegenwirken.
Die wertvollen Hinweise über die Nutzung von Wildfrüchten und Samen waren für mich zum Beispiel bei der Verarbeitung von Bucheckern sehr hilfreich.


Inés Hermann, 1961 auf der Schwäbischen Alb geboren und der Heimat treu geblieben, Ehefrau, Mutter von 5 Söhnen, Großmutter von 4 Enkelkindern, Modeverweigerin,