Nach meinen Recherchen wird als Erscheinungsjahr der Erstausgabe 1873 genannt. Meine Ausgabe ist jedoch aus dem Jahr 1867 und war bereits die 3. Auflage, erschienen im Verlag Rieger’sche Buchhandlung Augsburg.

Der Autor J. G. Satory richtet sich in seinem Vorwort an Hausfrauen und Köchinnen und verweist dabei auf seine über 40jährige Erfahrung in der Kochkunst.

Bezüglich seiner Vornamen hielt er sich bescheiden zurück, obwohl Johann Georg Sartory für seine herausragenden Kochkünste bekannt war. 1826 trat er seinen Dienst als Küchenchef im Hotel „Drei Mohren“ in Augsburg an. Dieses erlangte wegen des exzellenten Essen Weltruhm und zog hochgestellte Persönlichkeiten an. Nicht weniger als 18 Kaiser und 38 Könige übernachteten bereits im Hotel „Drei Mohren“, weswegen es als Fürstenherberge galt. Doch auch Künstler wie Johann Wolfgang von Goethe und Wolfgang Amadeus Mozart nahmen hier Quartier.

Noch heute ist das 5 Sterne-Hotel eine Luxusherberge und gilt als das älteste Hotel Deutschlands. Lediglich der Name wurde aufgrund des gesellschaftlichen Wandels in „Hotel Maximilian’s“ geändert. Das hauseigene Restaurant trägt den Namen „Sartory“ und macht seinem Namensgeber alle Ehre.

Mein Exemplar befindet sich in einem guten, gepflegten Zustand und hat außer Stockflecken im Buch keine Schäden. Die erste Besitzerin hatte in sorgfältiger Schrift ihren Namen mit der Jahreszahl 1888 auf die erste Seite geschrieben. Der Buchdeckel aus hartem Karton ist etwas berieben und bestoßen. Doch insgesamt haben die 150 Jahre dem Buch kaum etwas anhaben können. Der unscheinbare Einband des Buches war wohl auch der Grund, dass ich es für einen lächerlichen Preis auf dem Flohmarkt erstehen konnte.

Das „Neuestes Augsburger Kochbuch“ umfasst 450 Seiten und gilt als bedeutendes historisches Dokument für die kulinarische Tradition Süddeutschlands. Der Autor schreibt: „Hier enthaltende 900 Speisezubereitungen als: Fleisch- und Fasten-Speisen, der feinen Kunstbäckereien und Mehlspeisen, der Gelees, Cremen, Sulzen, Compoten, eingesottenen Früchten, Säfte und Marmeladen, mit kalten und warmen Getränken und Gefrorenes nebst Voressen, Speisezetteln und Erklärungen der in der Küche am häufigsten vorkommenden Kunstausdrücke“.

Ich habe mich lange mit den Rezepten von Sartory beschäftigt, denn sie sind wirklich sehr gut beschrieben. Vor allem finden sich Kochanleitungen für opulente Fleisch-und Fischgerichten, doch auch einige sehr außergewöhnliche wie „Bieber auf verschiedene Art“. Zu den Wildgerichten wurden Hagebuttensoße oder Holdermus gereicht, die mit feinen Rotweine zubereitet wurden. Also alles andere als einfache Hausmannskost.

Das Rezept für „Durchgetriebene Schwarzbrodsuppe auf Französische Art“ habe ich nachgekocht, denn ich sammle immer gerne Ideen zur Verwertung von Brotresten. Die einfache Suppe schmeckt fantastisch und wurde deshalb wohl auch in der gehobenen Gastronomie geschätzt.