Wir hatten das Glück bei der Auflösung einer alten Bäckerei zu helfen. Diese befand sich in einem Haus in Nördlingen, das 1470 erbaut wurde und seit vielen Generationen familiengeführt war. Viele Einrichtungsgegenstände waren bereits verkauft worden, der Rest wurde verschenkt oder sollte entsorgt werden. Wir retteten körbeweise antike, ungebrauchte Wäsche vor der Altkleidersammlung. Ein Schatz aus riesigen Gärtüchern und Handtüchern aus Bäckerleinen, Tisch- und Bettwäsche aus feinem Damast mit Stickereien und handgefertigten Spitzen.
Zahlreiche antike Konditoren-und Bäckerbücher haben wir vor einem traurigen Schicksal im Altpapier-Container bewahrt.
Zwei waren verschiedene Exemplare des „Neuen illustrierten Conditoreibuch“ von Carl Krackhart. Der Ausgabe von 1878 sieht man den häufigen Gebrauch deutlich an, doch es ist für das hohe Alter noch passabel erhalten. Dieses Standartwerk der Konditorei- und Bäckerkunst war Ende des 19. Jahrhunderts wegweisend. Es befinden sich zahlreiche farbige Bildtafeln im Buch, die im aufwändigen Steindruckverfahren der Chromolithographie gefertigt wurden. Damals war das für ein Buch im Bereich der Gastronomie nicht üblich.
Die Bildtafeln der Jubiläumsausgabe von sind von weitaus prächtiger und detaillierter. Diese Ausgabe ist noch sehr gut erhalten und wurde offensichtlich geschont.
Der Autor Carl Krackhardt wurde 1837 geboren und trat im Alter von 14 Jahren in Ansbach eine Lehre als Konditor an. Nach Jahren der Wanderschaft machte er sich selbständig. Um 1870 kam er der Einladung des Verlegers Heinrich Killinger nach ein illustriertes Conditoreibuch zu verfassen, das dann 1872 erschien.
Krackhardt stellte das Buch 1873 anlässlich der Weltausstellung in Wien mit großem Erfolg vor. Weitere Ausgaben folgten mit dem Untertitel: „Das praktische Hand- und Nachschlagebuch für Conditoren, Fein-, Marcipan- und Pastetenbäcker, Zubereiter von Gefrorenem, Lebküchner, Chocolade- und Liqueurfabrikanten, Köche, Gasthofbesitzer, sowie für jede Hausfrau.“
Die 11. und letzte Ausgabe wurde 1915 herausgegeben. Carl Krackhart zog sich 1902 zurück und verstarb im Jahr 1906. Die Überarbeitung der Folgeausgaben übernahm Hofkonditor Bernhard aus München.
Der Verdienst des Autors Carl Krackhart und des Verlegers Heinrich Killinger war, dass sie erstmals ein Illustriertes Konditoreibuch auf den Markt brachten, das für alle nachfolgenden Fachbücher richtungsweisend war.
Die Rezepte sind für das heutige Verständnis etwas mühsam zu lesen, doch sehr interessant und vielfältig.
Ich habe zum Beispiel mehrere Rezepte für Mandelmilch und Brotpudding gefunden, die ich immer wieder gerne zubereite. Dieser Hagebuttenkuchen passt perfekt in die herbstliche Wildkräuterküche.




Inés Hermann, 1961 auf der Schwäbischen Alb geboren und der Heimat treu geblieben, Ehefrau, Mutter von 5 Söhnen, Großmutter von 4 Enkelkindern, Modeverweigerin,
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