Das Johanniskraut speichert das Sonnenlicht des Hochsommers, um die Freude des sonnigen Sommers dann im trüben Winter abzugeben und die Gemüter zu erhellen und zu erwärmen. Benannt ist es nach dem Heiligen Johannes der Täufer, dessen Gedenktag der 24. Juni ist. In der Zeit um die Sommersonnenwende erblüht das Johanniskraut an Wegen und auf Wiesen. Die beste Sammelzeit ist mittags, wenn die Sonne den Tau bereits getrocknet hat.

Wirkstoff des Johanniskrauts ist der rote Farbstoff Hypericin. Er setzt wichtige Botenstoffe im Nervensystem frei, ist antibakteriell und sogar antiviral. Dieser wird in Öl ausgezogen, das sich wunderbar rot färbt:

Für einen Johanniskraut-Ölauszug werden folgende Zutaten benötigt:

  • 1 Tasse Johanniskrautblüten
  • 2 Tassen Sesamöl

Zubereitung 

Johanniskrautblüten nach dem sammeln für 2 bis 3 Tage trocknen lassen. Diese dann in ein sauberes und gut ausgetrocknetes Glas geben, Es sollte darauf geachtet werden, dass das Pflanzenmaterial sowie das Glas wirklich trocken sind. 
Mit dem Sesamöl aufgießen, so dass alles bedeckt ist. 
Das Glas erschließen und an einem warmen Ort, wie zum Beispiel das Fensterbrett für 3 bis 4 Wochen stehen lassen. Unbedingt darauf achten, dass sich kein Schimmel bildet! Dies kann passieren, wenn nicht alle Pflanzenteile mit Öl bedeckt sind. 
Das Öl durch einen Kaffeefilter abseihen und in einem gut verschließbaren Glas dunkel und kühl aufbewahren. 
Bei sachgemäßer Lagerung ist das Öl etwa 1 Jahr haltbar. Das Glas sollte unbedingt mit dem Herstellungsdatum und der Inhaltsangabe beschriftet werden. 

Wenn es schneller gehen soll, dann kann der Ölauszug auch folgendermaßen gewonnen werden: 

Die frischen Johanniskrautblüten waschen und in einem Handtuch trocken tupfen. 
In ein Weckglas geben und das Sesamöl darüber gießen. 
Das Weckglas mit dem Deckel schließen und auf dem Herd im Wasserbad sanft erwärmen. Für 2 Stunden bei niedriger Temperatur ziehen lassen und darauf achten, dass das Öl nicht kocht. 
Dann das noch warme Gemisch durch einen Kaffeefilter sieben, damit keine Pflanzenrückstände im Öl verbleiben. 

Nach 4 Wochen Reifezeit ist das Johanniskrautöl fertig und ich kann diese wundheilende Salbe daraus rühren.

Am Johannistag sammle ich am frühen Nachmittag die ersten Blüten. Zu dieser Tageszeit sind die Pflanzen schön trocken, dann drohen sie nicht zu schimmeln. In diesem Jahr setze ich nicht nur Johanniskrautöl an, sondern möchte auch noch Wolle färben. Dafür schneide ich die oberen Teile der Pflanze mit den Blüten ab. Im Färbetopf zeigt sich beim Auskochen der Pflanzen dann, dass das Wasser genauso dunkelrot wird, wie auch das Johanniskrautöl. Das Färbeergebnis auf Wolle war überraschend intensiv und brachte ein leuchtendes, sattes hellgrün hervor, das leicht ockerfarben meliert ist. Der aus naturbelassener Merinowolle gefilzte Hut hat die Farbe zaghafter angenommen. Das Johanniskraut gehört ganz klar zu meinen Favoriten und wird auch zukünftig von mir zum Färben verwendet.